
Einordnung und Anbieterprofil
Private Internet Access, kurz PIA, wird aus Denver im US-Bundesstaat Colorado betrieben und gehört seit 2019 zu Kape Technologies, demselben Konzern, der auch ExpressVPN und CyberGhost besitzt. Der US-Sitz ist auf den ersten Blick die denkbar schlechteste Jurisdiktion für einen Datenschutzdienst: Die USA sind das Kernland der Five-Eyes-Geheimdienstallianz, und US-Behörden können Unternehmen mit Subpoenas und Warrants zur Herausgabe vorhandener Daten zwingen.
Genau hier liegt aber die Besonderheit von PIA: Der Anbieter hat zweimal vor Gericht belegt, dass keine herausgabefähigen Daten existieren. 2016 forderte das FBI im Zuge einer Ermittlung Verbindungsdaten an, 2018 wiederholte sich der Vorgang in einem weiteren Verfahren. In beiden Fällen konnte PIA nach Aktenlage nur mitteilen, dass sich Nutzeraktivitäten keinen Kundenkonten zuordnen lassen. Eine Behördenanfrage ist der härteste Praxistest, den eine No-Logs-Aussage bestehen kann, und PIA hat ihn zweimal bestanden.
Automatisierte Messwerte stehen noch aus
PIA ist noch nicht in unser deutsches Messprogramm aufgenommen. Unsere Messreihe prüft alle gelisteten Anbieter mehrmals täglich über denselben deutschen Rechenzentrumsanschluss, damit die Werte vergleichbar sind. Solange diese Reihe für PIA nicht läuft, zeigen wir keine Download-, Upload- oder Latenzwerte an und übernehmen auch keine Herstellerangaben. Die Testnote stützt sich bis dahin auf die belegbaren übrigen Kategorien und wird ergänzt, sobald eigene Messwerte vorliegen.
Datenschutz und Protokollierung
Neben den Gerichtsverfahren wurde die No-Logs-Infrastruktur von Deloitte geprüft, zunächst 2022, dann erneut mit Stichtag 31. Januar 2024. Den Bestätigungsbericht von 2024 stellt PIA öffentlich als PDF bereit, was in der Branche nicht selbstverständlich ist: Viele Wettbewerber zeigen Prüfberichte nur angemeldeten Kunden. Ergänzend veröffentlicht PIA vierteljährliche Transparenzberichte. Der Bericht für das vierte Quartal 2025 listet unter anderem sieben Subpoenas und einen Warrant auf, in keinem Fall wurden laut Bericht Nutzerdaten herausgegeben.
Technisch setzt PIA auf eine Serverflotte, die vollständig im Arbeitsspeicher läuft. Bei einem Neustart oder einer Beschlagnahmung bleibt damit kein Festplattenzustand zurück. Die Desktop- und Mobil-Apps sind quelloffen auf GitHub einsehbar, sicherheitsbewusste Nutzer und externe Forscher können den Code unabhängig prüfen. Diese Kombination aus quelloffenen Apps, öffentlichen Prüfberichten und gerichtsfester Historie hebt PIA im Datenschutzkapitel von den meisten Wettbewerbern ab, auch wenn die Kape-Zugehörigkeit hier denselben Abwägungspunkt bildet wie bei CyberGhost.
Funktionen und Apps
PIA unterstützt WireGuard und OpenVPN, bietet einen Kill-Switch, Split-Tunneling und mit MACE einen Blocker für Werbung, Tracker und Schadsoftware-Domains. Ungewöhnlich vollständig ist die Plattformabdeckung: Es gibt eine echte grafische Linux-App, eine native Apple-TV-App, Apps für den Fire TV Stick sowie Browser-Erweiterungen. Dedizierte IP-Adressen sind als Zusatzoption buchbar. Für Filesharing sind die Server freigegeben.
Die Zahl gleichzeitiger Verbindungen ist laut Preisseite nicht mehr begrenzt, ein Konto deckt also alle Geräte eines Haushalts ab. Wer Wert auf Einstellmöglichkeiten legt, findet in den PIA-Apps zudem mehr Netzwerkoptionen als bei den meisten Konsumenten-VPNs, von der Wahl der Verschlüsselungsstufe bis zu eigenen DNS-Einstellungen.
Sicherheit und Verschlüsselung
PIA verwendet ausschließlich quelloffene Protokolle, WireGuard und OpenVPN, mit Verschlüsselung nach Branchenstandard. Ungewöhnlich ist die Tiefe der Einstellmöglichkeiten: Die Apps erlauben die Wahl der Verschlüsselungsparameter bei OpenVPN, eigene DNS-Server, portweises Split-Tunneling und automatische Regeln für vertrauenswürdige Netzwerke. Das richtet sich erkennbar an Nutzer, die verstehen wollen, was ihre Software tut, und passt zur Entscheidung, den App-Quellcode offenzulegen.
Zur Beleglage gehört auch, was die Deloitte-Prüfung konkret abdeckte: die Serverkonfigurationen und die Frage, ob die Systeme so gebaut sind, dass Aktivitätsdaten weder erhoben noch gespeichert werden. Der Bestätigungsbericht mit Stichtag Januar 2024 ist als PDF frei abrufbar, jede Kundin und jeder Kunde kann den Prüfumfang selbst nachlesen, statt einer Zusammenfassung des Anbieters vertrauen zu müssen. Zwischen den Prüfzeitpunkten bleibt die No-Logs-Aussage eine Selbstauskunft, die aber durch die RAM-only-Architektur technisch plausibel und durch die beiden Gerichtsverfahren historisch gestützt ist.
Die Kape-Übernahme von 2019 hat in der Datenschutz-Szene Kritik ausgelöst, aus denselben Gründen wie bei CyberGhost: Die Vorgängerfirma des Konzerns verdiente ihr Geld mit einer Adware-Plattform. Messbar verschlechtert hat sich die dokumentierte Beleglage von PIA seither nicht, die Audits, die offenen Apps und die Transparenzberichte kamen nach der Übernahme hinzu oder wurden fortgeführt.
Praktische Schutzprüfungen
Unabhängig von der noch ausstehenden Geschwindigkeitsmessreihe haben wir vier Schutzfunktionen praktisch geprüft: DNS-Leak, WebRTC-Leak, IPv6-Leak und Kill-Switch. PIA bestand alle vier Prüfungen. Das bedeutet konkret: keine DNS-Anfragen am Tunnel vorbei, keine Preisgabe der echten IP-Adresse über WebRTC, kein ungeschützter IPv6-Verkehr und ein Kill-Switch, der bei einem erzwungenen Verbindungsabriss den Datenverkehr blockierte, statt ihn unverschlüsselt weiterlaufen zu lassen. Solche Ergebnisse sind Momentaufnahmen der geprüften App-Versionen. Sie ersetzen keine fortlaufende Kontrolle, decken aber genau die Schutzmechanismen ab, auf die es bei der Alltagsnutzung ankommt.
Preise und Konditionen
Laut Preisseite (Stand August 2026) gibt es einen Monatstarif, einen Jahrestarif und einen langen Tarif über drei Jahre plus drei Bonusmonate, der rechnerisch am günstigsten ist. Abgerechnet wird in US-Dollar. Die Geld-zurück-Frist beträgt einheitlich 30 Tage. Nach der ersten Laufzeit steigen die Preise wie branchenüblich an, der Verlängerungspreis steht beim Kauf im Kleingedruckten.
Beim Verlängerungspreis gilt die übliche Vorsicht: Der beworbene Preis bezieht sich auf die erste Laufzeit, danach wird zum regulären Satz verlängert. Wer das lange Paket bucht, sollte sich den Verlängerungspreis beim Kauf notieren und rechtzeitig vor Ablauf entscheiden, ob er zu diesen Konditionen bleiben will.
Für wen geeignet
PIA passt zu Nutzerinnen und Nutzern, denen nachprüfbare Belege wichtiger sind als der Firmenstandort: quelloffene Apps, öffentliche Prüfberichte und zwei ergebnislose Gerichtsverfahren sind eine Beleglage, die kaum ein Wettbewerber vorweisen kann. Die unbegrenzte Geräteanzahl macht den Dienst für Familien und Haushalte mit vielen Geräten attraktiv. Wer einem US-Anbieter oder dem Kape-Konzern grundsätzlich nicht vertrauen möchte, findet im Vergleich Alternativen mit Sitz in Europa.
Häufige Fragen
Wie schnell ist PIA im Test?
Die automatisierte deutsche Messreihe ist für PIA noch nicht angelaufen, deshalb nennt dieser Bericht keine Geschwindigkeitswerte. Ersatzwerte aus fremden Quellen tragen wir grundsätzlich nicht ein. Sobald unsere Messungen laufen, erscheinen die Werte samt Verlauf im Messbereich dieser Seite.
Ist ein VPN mit US-Sitz nicht automatisch unsicher?
Ein US-Sitz bedeutet, dass Behörden vorhandene Daten anfordern können. Entscheidend ist deshalb, ob Daten vorhanden sind. Bei PIA blieben zwei Subpoenas ergebnislos, weil sich Aktivitäten keinen Konten zuordnen ließen, und die Deloitte-Prüfungen von 2022 und 2024 bestätigen diese Architektur zum jeweiligen Stichtag.
Sind die PIA-Apps wirklich quelloffen?
Ja, die Desktop- und Mobil-Apps stehen quelloffen auf GitHub. Das erlaubt unabhängige Prüfungen durch Dritte und ist unter den großen kommerziellen Anbietern die Ausnahme.
Wie viele Geräte kann ich gleichzeitig nutzen?
Laut Preisseite gibt es keine Begrenzung der gleichzeitigen Verbindungen, ein Konto deckt alle Geräte ab.
Was ist MACE?
MACE ist der eingebaute Filter von PIA, der Anfragen an bekannte Werbe-, Tracker- und Schadsoftware-Domains bereits auf DNS-Ebene blockiert, bevor der Browser sie lädt. Das ersetzt keinen vollwertigen Werbeblocker im Browser, reduziert aber Tracking auf allen Geräten, auf denen die App läuft, auch dort, wo sich keine Browser-Erweiterung installieren lässt, etwa auf dem Fire TV Stick.