
Testaufbau und Aussagekraft
Dieser Testbericht trennt eigene Messungen, Anbieterangaben und externe Prüfungen. Unser Messsystem verwendet ein manuell bereitgestelltes ExpressVPN OpenVPN-Profil für einen Frankfurter Endpunkt. Es erfasst Download, Upload und Latenz auf einem deutschen Rechenzentrumsanschluss. Jeder verwertete Datensatz enthält Protokoll, Endpunkt, Zeitpunkt, Speedtest-Gegenstelle und Version des Messsystems.
Der Messbereich oberhalb dieses Artikels zeigt gleitende Mittelwerte aus bis zu 20 jüngsten verifizierten Läufen. Zu Beginn der Reihe liegen entsprechend weniger Werte vor. Mit jedem planmäßigen Lauf wächst die Datenbasis, bis ältere Ergebnisse schrittweise aus dem Fenster fallen. Der Verlauf macht sichtbar, ob ein einzelner Ausschlag oder eine länger anhaltende Veränderung vorliegt.
Diese Reihe ist keine Messung an einem privaten Kabel-, DSL- oder Glasfaseranschluss. Sie beschreibt den Weg vom deutschen Messstand zum ausgewählten Frankfurter VPN-Endpunkt und zur jeweiligen Speedtest-Gegenstelle. Routing, Serverlast und Gegenstelle beeinflussen das Resultat. Ohne zeitgleiche Baseline auf derselben Verbindung berechnen wir keinen prozentualen Geschwindigkeitsverlust.
OpenVPN im Messstand, Lightway in den Apps
Die fortlaufende Reihe verwendet OpenVPN über UDP, weil ExpressVPN für den Messstand ein statisches OpenVPN-Profil bereitstellt. Der Anbieter bewirbt in seinen Apps vor allem Lightway. Deshalb dürfen die sichtbaren Zahlen nicht als Lightway-Test gelesen werden. Sie belegen die Leistung und Stabilität des eingerichteten OpenVPN-Pfads.
ExpressVPN veröffentlicht Lightway als Rust-Projekt auf GitHub unter der AGPL 3.0. Die ältere C-Implementierung bleibt ebenfalls öffentlich, wird laut Projektbeschreibung aber nicht mehr aktiv weiterentwickelt. Für die Rust-Fassung nennt der Anbieter Prüfungen durch Cure53 und Praetorian aus dem Jahr 2024. Quellcode und Prüfberichte erleichtern die technische Kontrolle, garantieren aber keine fehlerfreie Implementierung in jeder App-Version.
Die Trennung der Protokolle ist für die Bewertung entscheidend. Wenn Ihre ExpressVPN App automatisch Lightway auswählt, kann Ihr Ergebnis deutlich von unserer OpenVPN-Reihe abweichen. Auch ein schneller OpenVPN-Lauf beweist nicht, dass Lightway auf demselben Gerät schneller oder langsamer wäre.
DNS, WebRTC, IPv6 und Kill-Switch
Die automatische Reihe bestätigt, dass der OpenVPN-Tunnel aufgebaut wird und öffentliche IPv4-Verbindungen nach der Routenumschaltung über den VPN-Endpunkt laufen. Die vier Schutzurteile stammen jedoch aus einer getrennten praktischen Prüfbatterie auf dem Endgerät, nicht aus dem Rechenzentrums-Messstand.
ExpressVPN beschreibt den Kill-Switch unter dem Namen Internet Kill Switch beziehungsweise Network Lock. Laut Produktdokumentation blockiert er IPv4, IPv6 und DNS-Verkehr außerhalb des Tunnels. Diese Beschreibung ist eine Anbieterangabe. Sie ersetzt nicht unseren praktischen Abriss-Test mit laufendem Datenverkehr.
ExpressVPN bestand die getrennten Prüfungen für DNS, WebRTC und IPv6 ohne sichtbare Offenlegung der normalen Verbindung. Beim kontrollierten Ausfall des VPN-Endpunkts blockierte der Kill-Switch den Verkehr wie vorgesehen. Die Ergebnisfelder werden deshalb jeweils als bestanden geführt. Sie können die sichtbare Verbindung zusätzlich mit unserem DNS-Leak-Test, WebRTC-Leak-Test, IPv6-Leak-Test und der IP-Anzeige prüfen.
Datenschutzrichtlinie und Nutzungsstatistik
Die ExpressVPN Datenschutzrichtlinie wurde am 1. Januar 2026 aktualisiert. Betreiber ist Express Technologies Ltd. auf den Britischen Jungferninseln. Die Richtlinie schließt Aktivitätsprotokolle wie Browserverlauf, Ziele, Inhalte und DNS-Anfragen aus. Ebenso sollen keine Verbindungsprotokolle mit Quell-IP, zugewiesener VPN-IP, Zeitstempel oder Sitzungsdauer gespeichert werden.
No-Logs bedeutet hier nicht, dass überhaupt keine Betriebsdaten verarbeitet werden. ExpressVPN erfasst laut Richtlinie, ob an einem bestimmten Tag eine Verbindung zustande kam, welchen VPN-Standort der Nutzer wählte und aus welchem Land sowie über welchen Internetanbieter die Verbindung erfolgte. Die Quell-IP und die genaue Uhrzeit sollen dabei nicht gespeichert werden. Hinzu kommen aktivierte Apps und Versionen sowie das übertragene Gesamtvolumen eines Nutzers.
Für Marketing und Zuordnung können mit Einwilligung Werbekennungen verarbeitet und an AppsFlyer übermittelt werden. Die Einwilligung lässt sich laut Anbieter in den Datenschutzeinstellungen verwalten. Konto-, Zahlungs- und Transaktionsdaten bleiben ebenfalls getrennt vom VPN-Verkehr vorhanden. Transaktionsbezogene Kommunikation kann nach der Richtlinie aus rechtlichen Gründen zehn Jahre aufbewahrt werden.
Diese Details widersprechen nicht automatisch der Aussage, dass Browserverlauf und DNS-Anfragen fehlen. Sie zeigen aber, weshalb eine präzise Beschreibung aussagekräftiger ist als das Schlagwort No-Logs allein.
KPMG-Prüfung und ihre Grenzen
KPMG untersuchte TrustedServer und ausgewählte Aussagen der damaligen Datenschutzrichtlinie mit Stichtag 28. Februar 2025. Der Bericht beschreibt Kontrollen für Softwareentwicklung, Build, Bereitstellung und Betrieb. Er behandelt außerdem technische Maßnahmen, die Aktivitäts- und Verbindungsprotokolle auf VPN-Servern verhindern sollen.
Der Bericht ist öffentlich zugänglich, enthält jedoch eine wichtige Abgrenzung: KPMG prüfte nicht die gesamte Datenschutzrichtlinie, sondern die im Bericht benannten Auszüge und Kontrollen. Die Prüfung ist außerdem eine Momentaufnahme des festgelegten Stichtags. Sie ist ein substanzieller Beleg für den geprüften Aufbau, aber keine laufende Überwachung jeder heutigen App, jedes Servers oder jedes Zusatzprodukts.
TrustedServer wird von ExpressVPN als RAM-basierte Serverarchitektur beschrieben. Das System startet den vollständigen Softwarebestand aus einem schreibgeschützten, signierten Image. Bei einem Neustart gehen Daten im flüchtigen Arbeitsspeicher verloren. Diese Architektur reduziert persistente Zustände und Konfigurationsabweichungen. Sie macht korrekte Entwicklung, Zugriffskontrollen und wiederholte Prüfungen trotzdem nicht überflüssig.
Transparenz und Eigentümer
Das Trust Center veröffentlicht halbjährliche Zahlen zu Anfragen. Für Juli bis Dezember 2025 nennt ExpressVPN 155 staatliche, zivilrechtliche oder behördliche Anfragen, drei Beschlüsse staatlicher Stellen und 1.382.986 DMCA-Meldungen. Der Anbieter erklärt, keine VPN-Aktivitätsdaten herausgegeben zu haben, weil diese nicht vorhanden seien. Die Zahlen schaffen Transparenz über das Anfragevolumen, erlauben aber keine unabhängige Prüfung jedes Einzelfalls.
ExpressVPN gehört seit 2021 zu Kape Technologies. Die aktuelle Datenschutzrichtlinie erklärt, dass Express Technologies Ltd. die personenbezogenen Daten kontrolliert und diese nicht von der britischen Muttergesellschaft oder verbundenen Unternehmen verwaltet würden. Die operative Zuständigkeit auf den Britischen Jungferninseln ist relevant, hebt die Konzernzugehörigkeit aber nicht auf. Nutzer sollten beide Tatsachen in ihre Vertrauensentscheidung einbeziehen.
DNS-Problem bei Windows Split-Tunneling
Im Jahr 2024 bestätigte ExpressVPN ein DNS-Problem bei bestimmten Windows-Konfigurationen mit aktiviertem Split-Tunneling. Eine Ursache betraf einen Modus der Windows Version 12, eine weitere trat im Zusammenspiel mit installierten Apps anderer VPN-Anbieter auf. ExpressVPN entfernte Split-Tunneling vorübergehend, veröffentlichte korrigierte Versionen und ließ die Behebung durch Nettitude prüfen.
Der Nettitude-Bericht bestätigte die Behebung der ursprünglich untersuchten DNS-Szenarien in den vorgesehenen Builds und dokumentierte während der Nachprüfung ein weiteres Problem, das anschließend ebenfalls adressiert wurde. Positiv ist die veröffentlichte Reaktion samt externem Bericht. Der Vorfall zeigt zugleich, dass Schutzversprechen immer für konkrete Versionen und Konfigurationen geprüft werden müssen.
Tarife, Verlängerung und Rückerstattung
ExpressVPN bietet Basic, Advanced und Express Pro als Monatsabo, Jahresabo und zweijähriges Einstiegsangebot an. Basic umfasst laut Supportseite zehn gleichzeitige VPN-Verbindungen, Advanced zwölf und Express Pro vierzehn. Höhere Stufen bündeln zusätzliche Produkte wie ExpressKeys, ExpressMailGuard, ExpressAI, eine eSIM und in den USA verfügbare Identitätsschutzfunktionen. Diese Extras sind nicht automatisch für jeden Nutzer relevant.
Das zweijährige Angebot verlängert sich nach dem ersten Zeitraum jährlich. Auch Jahres- und Monatsabos verlängern sich automatisch, wenn die Verlängerung nicht vor dem Stichtag beendet wird. Der Einführungspreis kann nur für die erste Laufzeit gelten. ExpressVPN erklärt, Einstiegspreis, Verlängerungspreis und Rhythmus direkt vor dem Kauf anzuzeigen. Prüfen Sie diese Angaben und den Gesamtbetrag in Ihrer eigenen Bestellübersicht.
Die reguläre 30-tägige Geld-zurück-Garantie gilt laut Supportseite für Erstkunden. Käufe über Apple oder Google folgen den Erstattungsregeln des jeweiligen Stores. Aktionen können abweichende Bedingungen haben. Die automatische Verlängerung lässt sich im Konto unter dem Abonnement beenden, alternativ nennt der Anbieter Support und E-Mail als Wege.
Für wen eignet sich ExpressVPN?
ExpressVPN kommt für Nutzer infrage, die eine breite Geräteunterstützung, ein eigenes quelloffenes Protokoll und öffentlich zugängliche Prüfberichte suchen. Die fortlaufende OpenVPN-Reihe liefert dafür eine konkrete Geschwindigkeitsbasis am deutschen Endpunkt. Wer ausschließlich Lightway verwenden möchte, sollte die sichtbaren Messwerte nicht auf dieses Protokoll übertragen und selbst auf dem eigenen Anschluss testen.
Datenschutzorientierte Nutzer erhalten durch Richtlinie, KPMG-Bericht und Transparenzzahlen mehr Informationen als durch eine pauschale No-Logs-Werbung. Gleichzeitig gehören Nutzungsstatistik, Kape-Eigentümerschaft und tarifabhängige Zusatzprodukte zur vollständigen Einordnung.
Die praktischen Schutzprüfungen waren in unserem Test unauffällig. Betriebssystem, App-Version, Browser und Netzwerkkonfiguration können das Ergebnis auf einem anderen Gerät beeinflussen. Prüfen Sie besonders wichtige Schutzfunktionen deshalb zusätzlich in Ihrer eigenen Umgebung.
Häufige Fragen
Wie schnell ist ExpressVPN im Test?
Die aktuellen Mittelwerte und der Verlauf stehen im Messbereich oberhalb des Artikels. Sie werden aus bis zu 20 jüngsten verifizierten OpenVPN-Läufen über einen Frankfurter Endpunkt berechnet und ändern sich mit neuen Messungen.
Misst die Reihe das Lightway-Protokoll?
Nein. Der Messstand verwendet ein manuell bereitgestelltes OpenVPN-Profil. Lightway muss getrennt in der ExpressVPN App und auf dem jeweiligen Anschluss beurteilt werden.
Hat ExpressVPN die Leak-Tests bestanden?
Ja. DNS, WebRTC und IPv6 zeigten in den praktischen Prüfungen keine Offenlegung der normalen Verbindung. Der Kill-Switch blockierte den Verkehr beim kontrollierten Tunnelausfall wie vorgesehen. Diese Ergebnisse stammen aus den manuellen Endgerätetests und nicht aus der automatischen Geschwindigkeitsreihe.
Was bestätigt der KPMG-Bericht?
KPMG beurteilte TrustedServer und ausgewählte Datenschutzkontrollen zum Stand vom 28. Februar 2025. Der Bericht gilt für den beschriebenen Prüfungsumfang und Stichtag, nicht als permanente Kontrolle sämtlicher Produkte.
Gehört ExpressVPN zu Kape Technologies?
Ja. ExpressVPN ist seit 2021 Teil von Kape Technologies. Als Betreiber und Datenverantwortlicher nennt die Datenschutzrichtlinie Express Technologies Ltd. auf den Britischen Jungferninseln.
Wird das zweijährige Angebot wieder für zwei Jahre verlängert?
Laut aktueller Supportseite verlängert sich das zweijährige Einstiegsangebot nach dem ersten Zeitraum jährlich. Der konkrete Verlängerungspreis steht in der Bestellübersicht und kann vom Einstiegspreis abweichen.
Quellen
- ExpressVPN Datenschutzrichtlinie, aktualisiert am 1. Januar 2026
- KPMG: Prüfung von TrustedServer und ausgewählten Datenschutzkontrollen zum 28. Februar 2025
- ExpressVPN Trust Center mit Prüfberichten und Transparenzzahlen
- ExpressVPN: TrustedServer Architektur
- ExpressVPN auf GitHub: Lightway in Rust
- ExpressVPN: Prüfungen der Lightway Rust-Implementierung
- ExpressVPN: Reaktion auf das DNS-Problem bei Windows Split-Tunneling
- Nettitude: Bericht zur Behebung des Windows DNS-Problems
- ExpressVPN Support: aktuelle Tarife und Verlängerungsrhythmus
- ExpressVPN Support: Rückerstattungsbedingungen
- ExpressVPN Support: automatische Verlängerung
- ExpressVPN Press Room: Kape-Zugehörigkeit, Standorte und Plattformen
- ExpressVPN: Network Lock und Internet Kill Switch